


23.03.2025 | NaturFreunde demonstrieren gemeinsam mit Anwohner*innen gegen brutale Baumfällungen am U-Bahnhof Gneisenaustraße -
Seit 2010 findet jedes Jahr am 20. März der Weltspatzentag statt. Der Weltspatzentag wurde von der Nature Forever Society (NFS) initiiert. Mit dem Tag möchten die Initiator*innen aufmerksam machen, dass der Bestand der Spatzen als typisch urbane Vogelart weltweit sehr gesunken ist. Auch in vielen Bundesländern steht der Haussperling bereits länger auf den Vor-Warnlisten und Roten Listen bedrohter Arten.
Der Haussperling lebt in geselligen Gruppen in unserer unmittelbaren Nachbarschaft und kann für Lebensfreude und Naturerleben an der Haustür sorgen. Wie alle europäischen Vogelarten ist er nach EU-Recht geschützt, weshalb seine Lebensstätten ebenfalls zu schützen sind, was aber vielfach unterlassen wird, weil Kontrollen fehlen.
Kundgebung in der Gneisenaustraße
Die NaturFreunde nutzen den Weltspatzentag, um auf die immer größer werdende Zerstörung der Brutstätten für Gebäudebrüter und Vögel in Berlin hinzuweisen. In diesem Jahr hatten die NaturFreunde zu einer Kundgebung am U-Bahnhof Gneisenaustraße eingeladen. Dem Aufruf der NaturFreunde Berlin waren mehr als 50 Anwohnende gefolgt.
Angela Laich, AG-Artenschutz der NaturFreunde Berlin führte bei der Kundgebung aus: „Wir sind fassungslos, schockiert, tief trauernd um 19 Baumgiganten, die in der Woche zwischen 17ten und 21ten Februar hier gefällt wurden. Wir sind in größter Sorge um die Lebensräume der hier lebenden Haussperlingskolonie, Fledermäuse, Meisen, Amseln und andere Singvogelarten, die auf die hier wachsenden dichten Sträucher angewiesen sind. Auch von den Sträuchern wurde seit 2023 schon die Hälfte gerodet. Wir sind wütend, dass hier schon wieder der Artenschutz an einer Berliner Baustelle nicht beachtet wird. Und das bei einer Großmaßnahme, finanziert durch Bundesmittel.“
Uwe Hiksch, Landesvorstand NaturFreunde Berlin: „Bei den Rodungen der Bäume in der Gneisenaustraße ist der Artenschutz mit Füßen getreten worden. Es ist nicht hinnehmbar, wenn öffentliche Bauträger die artenschutzrechtlich vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen für Vögel nicht einhalten. Wie sollen in Berlin private Investoren zu mehr Artenschutz gebracht werden, wenn die öffentlichen Bauträger selbst artenschutzrechtliche Vorschriften nicht einhalten.“
Fortschreitender Verlust von Nistplätzen
Auch in Berlin sind Baumaßnahmen wie Fassaden-Sanierungen, Dachausbau, Abbruch die Ursache für den fortschreitenden Verlust der Nistplätze. Es fehlen Kontrollen zum Artenschutz vor Baubeginn und selbst wenn es Untersuchungen gibt, werden sie oft übersehen, sodass mehr und mehr Nistplätze verloren gehen, obwohl sie gesetzlich geschützt sind. An glatten, fugenlosen Neubauten finden sich keine Brutnischen mehr.
Von diesen Missständen sind nicht nur Haussperlinge bedroht, sondern auch die anderen gebäudebewohnenden Tierarten, beispielsweise Mauersegler und Fledermäuse.
Parallel werden durch die zunehmende Versiegelung und Bebauung von Brachen oder Grünflächen, die rücksichtslose Stocksetzung und Abholzung von Büschen und Sträuchern, die Nahrungshabitate und ökologischen Lebensräume immer weiter eingeschränkt. Die NaturFreunde werden auch weiter die Bürgerinitiative Jahnsportpark und den Kulturhof Kolonie 10 e.V. unterstützen.
Lösungsmöglichkeiten sehen die NaturFreunde in der Verankerung des Schutzes der Gebäudebrüter und der Prävention Vogelschlag in der Bauverordnung Berlin (BauO). Ziel muss sein, bei Maßnahmen für den besseren Klimaschutz, wie zum Beispiel der Fassadendämmung, zugleich auch den Artenschutz zu beachten und zu fördern.
Die Forderung ist zudem, eine Grün- bzw. Freiflächensatzung zu verabschieden. Nur so kann die Gestaltung und Bepflanzung von Grundstücksfreiflächen und die Begrünung baulicher Anlagen in klimaangepasster Form sichergestellt werden. Nur so können in der wachsenden Stadt gesunde Lebensverhältnisse gewährleistet und die natürlichen Lebensgrundlagen einschließlich der urbanen Biologischen Vielfalt zu bewahrt werden.
Kontakt:
NaturFreunde Berlin, Uwe Hiksch, hiksch@naturfreunde.de, Tel.: 0176-62015902