
04.04.2025 | NaturFreunde fordern Untere Naturschutzbehörde zum Handeln auf
Seit Ende Februar wurden auf dem Gelände des Jahn-Stadions umfangreiche Rodungen im direkten Umfeld der Brutplätze durchgeführt. Die Verluste betreffen die Brutplätze an der Westtribüne sowie die im Zuge der Gerichtsverfahren seit November umgesetzten Ausgleichsmaßnahmen für Gebäudebrüter an Bretterwänden und Türmen.
Die NaturFreunde erwarten vom Bezirk angesichts der erneut demonstrierten Rücksichtslosigkeit gegenüber den Naturschutzinteressen ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen die Bauherrschaft, d.h. die Senatsverwaltung, in die Wege zu leiten. Es ist endlich ein rechtsicheres und tragfähiges Konzept für den vorgezogenen ökologischen Ausgleich vorzulegen, das betrifft auch die Grünstrukturen.
In einer Dokumentation wurden dem Umwelt- und Naturschutzamt Pankow die Ende Februar flächig zerstörten Vegetationsstrukturen und die hiervon betroffenen Arten beschrieben. Aus der aktuellen Stellungnahme der Naturschutzbehörde geht hervor, dass diese sich zu 100% auf die Gutachter des Senats verlässt. Demnach seien im Jahn-Sportpark keine geschützten Fortpflanzungs- und Ruhestätten des Haussperlings sowie weiterer dort vorkommender Brutvogelarten zerstört worden.
Eine solche Positionierung der zuständigen Genehmigungsbehörde ist erstaunlich. Die auf ca. 1000 qm gerodeten Gebüschinseln, Hecken und Nahrungsflächen wurden nämlich durch die gleichen Gutachter des Senats im Artenschutzfachbeitrag ausdrücklich als artenschutzrelevante Ruhestätten und Nahrungshabitate gekennzeichnet. Besonders bedauerlich ist, dass die Behörde einen gemeinsamen Vor-Ort-Termin abgelehnt hat.
Die NaturFreunde haben seit Oktober das Umwelt- und Naturschutzamt Pankow mehrfach darauf hingewiesen, dass die im Senatsgutachten angegebenen Ausweichflächen entweder nicht geeignet sind, nicht existieren bzw. außerhalb des Plangebiets liegen. So steht auf einer angeblichen Ausweichfläche mit Hecken ein Neubau, weitere Flächen weisen keine oder nur noch wenige, spärliche Hecken auf.
Ein Umbau könnte eine Chance sein, es wäre ohne großen Aufwand möglich, alternativen Lebensraum für Vögel und Fledermäuse zu schaffen, der gleichzeitig klimaökologisch wirksam ist und die Lebensqualität im Wohnumfeld fördert. Diesen Willen scheint es bei den beteiligten Akteuren nicht zu geben.
Die NaturFreunde fordern daher den Senat auf, endlich eine vollständige Erfassung der Arten vorzunehmen und ein konkretes Ausgleichskonzept für das langjährige Bauvorhaben vorzulegen, wie dies rechtlich vorgeschrieben ist. Auf nicht vorhandene Ausweichflächen und eine fern in der Zukunft liegenden Nachpflanzungen zu verweisen ist fachlich und rechtlich nicht hinnehmbar.
Die NaturFreunde kritisieren, dass sich am Jahnsportpark weiterhin Defizite beim Ausgleich für den Abriss der Brutplätze von Haussperlingen, Fledermäusen und andere Gebäude bewohnenden Arten finden. Damit ist die Planungsrelevanz, die etliche Arten vom Ausgleichskonzept ausschließt, schon länger rechtlich obsolet. Die bisherigen Untersuchungen und Bewertungen sind weder fachgerecht noch vollständig. Ein Beispiel hierfür ist, dass sogar das Revier des seltenen Sumpfrohrsängers übersehen wurde.
Uwe Hiksch, Landesvorstand NaturFreunde Berlin: „Die NaturFreunde erwarten von der Unteren Naturschutzbehörde, dass sie jetzt endlich handelt. Die Untere Naturschutzbehörde muss die zur Vermeidung weiterer Verstöße gegen artenschutzrechtliche Verbote aus § 44 Abs. 1 BNatSchG erforderlichen Ermittlungen von den Gutachtern des Senats konkret einfordern. Sie ist die zuständige Behörde, die die Maßnahmen bestimmen muss, die nach den massiven Rodungen überfällig sind. Zudem muss geklärt werden, welche Verstöße gegen artenschutzrechtliche Verbote hier im Einzelnen vorliegen und warum die ökologische Baubegleitung diese nicht verhindert hat. Die NaturFreunde strecken hier gerne die Hand weit aus und stehen jederzeit für eine qualifizierte Kooperation zur Verfügung.“
Caroline Seige, AG Artenschutz NaturFreunde Berlin: „Die gerichtlich abgegebene Selbstverpflichtung des Sportsenats, die erforderlichen Flächen für den Artenschutz zur Verfügung zu stellen, wird jetzt schon ad absurdum geführt. Wenn die zuständige Naturschutzbehörde weiter zusieht, wie im Jahnsportpark scheibchenweise gerodet wird, wäre das ein Skandal! Das Gericht hat nämlich darauf verwiesen, dass der gesetzlich vorausgesetzte Funktionserhalt nur dann gegeben ist, wenn die von den betroffenen Fortpflanzungs- oder Ruhestätten wahrgenommene Funktion vollständig erhalten bleibt. Ohne ausreichende Schutzgehölze und ohne Nahrung ist das nicht der Fall.“
Aleksandra Kwasnik, Bürgerinitiative Jahnsportpark: „Faktisch wird im Jahn-Sportpark aktuell gegen den Tenor der jüngst ergangenen Gerichtsbeschlüsse verstoßen: Artenschutzrechtlich relevante Habitate werden ersatzlos zerstört, Ausgleichsmaßnahmen werden nicht umgesetzt bzw. in die ferne Zukunft verschoben. Gilt das Bundesnaturschutzgesetz in Pankow nur selektiv?“
Kontakt:
NaturFreunde Berlin, Uwe Hiksch, hiksch@naturfreunde.de, Tel.: 0176-62015902
Bürgerinitiative Jahnsportpark, Aleksandra Kwasnik, Tel.: 0175-2052357