08.06.2017 | Am Wege, Nachrichtenblatt des Gaues Thüringen, Nr. 1, Januar 1933:
Die Durchsetzung von Gleichberechtigung und Teilhabe für Frauen im Verband war auch innerhalb der NaturFreunde nicht einfach. Während Frauen in den Ortsgruppen sehr früh eine prägende Rolle spielten, waren die Funktionäre auf Gau- oder Landesebene meist Männer. Nachdem ein Kongress der Naturfreunde-Internationale stattgefunden hatte, an dem keine Frau als Delegierte gemeldet war, entstand dieser Artikel. Der Kampf um die Gleichberechtigung war ein ständiges Ringen um die Fortentwicklung des Verbandes. Frauen führten auch innerhalb der NaturFreunde, wie in allen Organisationen der Arbeiter*innenbewegung, Diskussionen und Auseinandersetzung, um die Gleichstellung der Frauen im Verband. Hier ein Artikel von Trude Plisch aus Halle:
„Frauenarbeit im T.-V. „Die Naturfreunde“
Auf der Reichs- und Hauptversammlung hat man leider über die Frauenfrage bei den „Naturfreunden“ nicht gesprochen. Dafür hat Genosse Richter (Wien), der Präsident der „Naturfreunde“-Internationale, in seiner Rede auf der Hauptversammlung in Bregenz einige markante Sätze geprägt, die ich allen Naturfreunden zum Lesen und gründlichen Nachdenken empfehlen möchte und nachstehend bringe:
„Wir sind eine weltumspannende Organisation. Wir nennen uns stolz klassenbewußte Kämpfer für eine bessere Zeit. Wir nennen uns stolz Sozialisten. Und sind doch in manchen Fällen konservativ. Ich glaube, daß wir die einzige Organisation des sozialistischen Proletariats der Welt sind, in der man keine einzige Frau in den Reihen der Delegierten findet. Vielleicht denken Sie einmal darüber nach, ob Menschen, die die Welt umgestalten wollen, die eine ganze Welt erobern wollen, ob sie das können, wenn sie den größten Teil des menschlichen Geschlechts, und das sind die Frauen, aus der Betätigung ausschließen. Ich will Ihnen nur den Satz mit auf den Weg geben.“
(…)
Bei den Konferenzen stehen oftmals Dinge zur Verhandlung, die eine Frau durch ihre Art besser beurteilen kann als der Mann. Fangt damit in dem kleinen Kreise, in der Ortsgruppe, an, pflegt die Gleichberechtigung auch praktisch, und nicht nur im Munde. In diesem Falle sind unserer Genossen oft sehr konservativ und rückschrittlich, sie wollen und können von ihrem Herrenstandpunkt nicht abgehen. Auch dazu muß man sich schulen.“
Aus: „Nachrichtenblatt des Gaues Thüringen vom T.-V.DIE NATURFREUNDE“, Nr. 1 vom 1. Januar 1933
aus: WanderfreundIn 01-17