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NaturFreunde Berlin
 
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Landraub – der neue Kolonialismus

Landraub ist zu einem alltäglichen Phänomen geworden. Ob in Afrika, Asien, Lateinamerika oder Europa: Ausländische Konzerne bringen immer mehr Land unter ihre Kontrolle. Kleinbäuer*innen sind die Verlierer*innen dieses rasanten Prozesses der Landkonzentration. Die Gewinner sind die Konzerne, die in großen Monokulturen anbauen und die Produkte exportieren. Sowohl der Landraub als auch die Exporte zeigen ein deutliches Nord-Süd-Gefälle auf.
Die Website landmatrix.org hat Daten zu Landverkäufen registriert: Rund 70 Prozent der Landverträge finden demnach in den Ländern Sub-Sahara Afrikas statt, in Äthiopien, Mosambik und im Sudan. Unternehmen aus Saudi-Arabien kaufen oder pachten beispielsweise riesige Flächen im Ausland zur Produktion von Nahrung, da im eigenen Land Wasser ein knappes Gut ist.
Der aktuelle Landraub wurde durch drei Faktoren ausgelöst. In den USA und in Europa wurden Anfang 2000 Agrotreibstoffe massiv subventioniert. Die gesetzlich festgelegten Beimischungsquoten sind nicht mit dem Anbau heimischer Energiepflanzen zu decken. Daher werden große Teile davon, wie Zuckerrohr und Palmöl, importiert. Während der Weltwirtschaftskrise 2007 stiegen die Nahrungsmittelpreise und somit die Landpreise zudem massiv an. Parallel dazu steigt der Fleischkonsum weltweit. Viehhaltung bedeutet einen hohen Verbrauch an Tierfutter und an Land.
Oxfam wertete zwischen 2000 und 2011 abgewickelte Landgeschäfte aus 56 Ländern aus. In drei Viertel der Länder gab es Probleme im Mitspracherecht, in der Rechenschaftspflicht und in der Korruptionskontrolle. Oft wurde das Land unter Marktwert verkauft, teilweise sogar verschenkt. Nur 10 Prozent dieses Landes dienen dabei der lokalen Lebensmittelproduktion. Der weitaus größere Anteil dient Exportpflanzen, die nach Bedarf zu Agrarsprit, Tierfutter oder Nahrungsmitteln verarbeitet werden können.
Die Menschenrechtorganisation FIAN (Food First Informations- und AktionsNetzwerk) begleitet und berät vertriebene indigene Gemeinden und Bäuer*innen. Bestehende Menschenrechtsinstrumente konnten Landraub nicht verhindern. Deshalb müsse, so FIAN, ein Recht auf Land formuliert werden. Dieses ist insbesondere für Frauen im ländlichen Raum entscheidend. Denn ihr Anteil an den Hungernden ist weltweit überdurchschnittlich hoch. Frauen in Afrika, Asien und Lateinamerika produzieren zwischen 60 und 80 Prozent der Grundnahrungsmittel, sind zuständig für deren Verarbeitung und Lagerung, arbeiten aber zu schlechteren Bedingungen und niedrigeren Löhnen wie Männer. Den Zugang zu nötigen Ressourcen wie Land, Wasser, Saatgut und Krediten erhalten sie jedoch nur über ihre männlichen Verwandten.
Die NaturFreunde verurteilen die verstärkte Landkonzentration im globalen Süden, der für den Konsum und den Energiehunger im globalen Norden produziert. Dies ist die Folge politischer Fehlentscheidungen. Die öffentliche und private Agrarforschung ist nicht auf die Bedürfnisse und Potentiale der Kleinbäuer*innen ausgerichtet. Die Investitionspolitik schafft einseitige Anreize für große Finanzinvestitionen. Dabei haben 800 Millionen Menschen auf der Welt immer noch nicht genug zu essen. Solange die Politik nicht an einer globalen Verteilungsgerechtigkeit interessiert ist, sondern vielmehr an der Aufrechterhaltung der aktuellen, energie- und ressourcenintensiven Wirtschaftsweise des globalen Nordens, wird sich diese Zahl auch nicht verringern.
Mehr Infos unter:
http://kuerzer.de/landraub.
Kim Weidenberg