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NaturFreunde Berlin
 
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Berliner Compagnie: Politisches Theater auf höchstem Niveau

Gleich zweimal hat die Berliner Compagnie in ihrem Theater in der Muskauer Straße exklusiv für die NaturFreunde gespielt. Mit den Stücken „So heiß gegessen wie gekocht: Klimakatastrophe mit Musik“ und „Bettler auf dem goldenem Thron“ brachten sie Aktivierungstheater vom feinsten auf die Bühne. Die Berliner Compagnie ist ein Kind der Friedensbewegung. In der Tradition von Berthold Brechts „Gebrauchstheater“ wollen die Künsterler*innen Inhalte aufzeigen, zu Widerspruch anregen und die Menschen dazu animieren, sich gegen Unrecht zur Wehr zu setzen.
In dem Stück „Bettler auf dem goldenem Thron“ wird die Geschichte von Evo Morales aufgegriffen. Anschaulich und mit einer faszinierenden Ausdrucksform wird die Unterdrückung der Indigenen in Boliven in Schlaglichtern auf die Bühne projeziert und in den Kontext des sozialen Protestes in Lateinamerika gestellt. Eindringlich zeigt das Stück die Diskussionen über Revolution und Reform auf, zeigt Erfolge, aber auch Brüche in der Entwicklung Boliviens. In „kritischer Solidarität“ fordert es die Zuschauenden auf, sich in die Probleme eines Landes wie Bolivien hineinzudenken. Ausdrücklich geht es in dem Stück nicht um Heldenverehrung oder eine unkritische Solidarität mit der Regierung in Bolivien. Vielmehr zeigen die Künstler*innen mit viel Sensibilität den Widerspruch zwischen Naturschutz und der notwendigen Extraktion der Ressourcen für die Finanzierung des Sozialstaates und den unterschiedlichen Wünschen der Betroffenen auf: Auf der einen Seite die Minenarbeiter*innen, die sich durch den Ressourcenabbau bessere Lebensbedingungen erhoffen, auf der anderen Seite die Forderungen der indigenen Gemeinschaften nach Erhalt ihres Lebensraums. Evo Morales wird in seinem Ringen um einen möglichst gerechten Weg für beide Positionen gezeigt, aber auch mit der Notwendigkeit, Entscheidungen herbeizuführen. Das Stück fordert die Zuschauenden auf, den Befreiungsprozess der Menschen in dem unterdrückten und ausgeplünderten Land aktiv zu unterstützen und für die Rechte der Menschen im globalen Süden aktiv zu werden.
Ganz anders das Stück „So heiß gegessen wie gekocht: Klimakatastrophe mit Musik“. Es versetzt die Zuschauer*innen mitten in die Auseinandersetzung um den Bau eines neuen Kohlekraftwerks in Deutschland. Direkt neben einem Gasthof soll ein neues Kohlekraftwerk entstehen. Der Schauplatz des Stückes ist die Küche des Gasthofes. Anfangs sind die Akteure zwischen der Möglichkeit, durch den Bau des Kraftwerkes finanzielle Vorteile zu erlangen und dem Wissen, dass der Klimawandel zu einer Zerstörung des Klimas führt, hin- und hergerissen. Auf der einen Seite der eigene Anspruch, „links“ und „fortschrittlich“ zu sein, auf der anderen Seite das attraktive Angebot der „Greencoal AG“, den Gasthof für eine Millionen Euro zu kaufen, um für das Kohlekraftwerk Platz zu schaffen.
Das Stück will nicht moralisieren. Es nimmt die Menschen in ihren Widersprüchen wahr und zeigt, wie Menschen durch konkrete Bedrohungen die Wut und den Mut zum Widerstand finden können. Aus „braven Köchen“ werden aktive Widerständler*innen, die sich mit den Mächtigen anlegen und für den Erhalt ihres Gasthofes kämpfen. Die Zuschauenden erleben eine Zeit des Widerstandes, auch der Niederlagen, aber vor allem eine der Aktivierung von kreativen Ressourcen der Handelnden. Das Stück gibt Menschen die Möglichkeit, ihre eigenen Erfahrungen zu reflektieren und einen Zugang zu gemeinsamen Aktionen zu finden. Donnernder Applaus und intensive Diskussionen mit den Künstler*innen im Anschluss an die Vorstellung rundeten die Abende ab. Auch im nächsten Jahr wird es dann wieder bei den NaturFreunden heißen: Bühne frei für die Berliner Compagnie!
Uwe Hiksch