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NaturFreunde Berlin
 
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Klimagerechtigkeit durchsetzen – Landraub verhindern

Die immer weiter zunehmende Industrialisierung der Agrarwirtschaft in den Staaten des globalen Nordens führt in den Staaten des Südens zu immer mehr Hunger, Landraub und Zerstörung von Urwäldern und kleinbäuerlichen Betrieben. Gemeinsam mit den Partnerorganisationen aus Afrika engagieren sich die NaturFreunde seit vielen Jahren für einen wirkungsvollen Schutz der bisherigen Landnutzer*innen in den Ländern des globalen Südens vor der großflächigen Landnahme.
Die heutige industriealisierte Landwirtschaft hat dazu geführt, dass mehr als 30 Millionen Hektar Land außerhalb der Europäischen Union für die industrialisierte Fleischproduktion in den Agrarfabriken der EU benötigt werden. Gleichzeitig müssen weltweit mehr als 900 Millionen Menschen hungern. Über 80 Prozent aller Hungernden leben in ländlichen Regionen, jede*r zweite Hungernde ist oder war Kleinbäuer*in.
Für eine gerechtere Weltwirtschaftsordnung muss die umweltzerstörende Agrarindustrie in den Staaten des globalen Nordens beendet werden.
Agrarland in den Ländern des globalen Südens wird immer mehr zum Spekulationsobjekt. International agierende Land- und Agrarfonds, transnationale Konzerne und staatliche Institutionen kaufen großflächig Land auf, um es für ihre Interessen zu nutzen. In den letzten zehn Jahren wurden für diese Zwecke mehr als 250 Millionen Hektar Land verkauft oder langfristig verpachtet. Die Großinvestoren dürfen keine öffentlichen Kredite, Bürgschaften oder andere öffentliche Förderungen für den großflächigen Landkauf oder die langfristige Landpacht mehr erhalten.
Landgrabbing verhindert die Sicherung der Nahrungsmittelsouveränität der Menschen im globalen Süden und zerstört die kleinbäuerliche Landwirtschaft. Mit der zunehmenden Konzentration von Landbesitz wird die Ausbreitung von Monokulturen gefördert und der Anbau von Nahrungsmitteln für den regionalen Bedarf zerstört.
Gleichzeitig wetten Finanzinvestor*innen und Spekulant*innen auf steigende Preise von Nahrungsmitteln. Termingeschäfte („futures“) mit Agrarprodukten sind attraktiv. Seit vielen Jahren werden riesige Kapitalsummen eingesetzt, um mit Nahrungsmitteln zu spekulieren. Dadurch können plötzliche Preisanstiege entstehen, die für gering verdienende Familien in den Ländern des globalen Südens tödliche Folgen haben können. Viele der Banken, Fonds und Versicherungen wetten auf die Entwicklung von Nahrungsmittelpreisen, um eigene Profite zu maximieren. Auch ihren Kund*innen bieten sie Wetten auf die Preisentwicklung von Nahrungsmitteln an, etwa bei Reis, Soja, Weizen oder Hirse. Dieses Geschäft mit dem Hunger ist pervers. Die NaturFreunde fordern deshalb ein weltweites Verbot der Nahrungsmittelspekulation.
Neben Landgrabbing und Nahrungsmittelspekulation bedroht insbesondere der fortschreitende Klimawandel die Existenzgrundlagen der Kleinbäuer*innen im globalen Süden. Die Industriestaaten haben nicht nur eine historische Klimaschuld, sondern sind pro Kopf immer noch Hauptverursacher der klimaschädlichen Emissionen. Die Regionen, die schon seit Jahrzehnten den Folgen des Klimawandels ausgesetzt sind, ohne selbst nennenswert Emissionen verursacht zu haben, müssen massiv unterstützt werden. Nach Angaben des Umweltprogrammes der UN werden bis 2030 allein die Anpassungskosten für die Klimafolgen in den Ländern des globalen Südens bei 150 Milliarden US-Dollar pro Jahr liegen. Im Jahr 2050 werden diese Kosten auf 250 bis 500 Milliarden US-Dollar ansteigen.
Nur wenn es gelingt, Klimagerechtigkeit durchzusetzen und die menschenrechtszerstörenden Auswirkungen von Landraub und Nahrungsmittelspekulation zu unterbinden, werden sich die Entwicklungsperspektiven für die Menschen im globalen Süden verbessern. Um dies zu erreichen werden die NaturFreunde eine Kampagne für Klimagerechtigkeit starten.
Uwe Hiksch