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Bis aufs letzte Hemd - Produzieren in der Brand New World

Autor: Carsten Dannel

Auf dem Rasen Wenn im Sommer „die Welt zu Gast bei Freunden“ ist und ein millionenfaches Fernsehpublikum das Fußball-Großereignis an den Bildschirmen verfolgt, sind die Werbefilme und Imagekampagnen der Sportbekleidungshersteller schon seit Monaten produziert.
Doch während die Medien weltweit ausgiebig über den Wettkampf auf dem Rasen berichten, werden weit weg von den Kameras Tausende von Beschäftigen einen ganz anderen Kampf ausfechten. Sie produzieren Turnschuhe, Trainingsjacken und Shirts. Und auch sie brechen Rekorde für die Bekleidungsindustrie: Sie arbeiten immer schneller und länger unter härtesten Bedingungen für Hungerlöhne. Von China und Indonesien über die Türkei bis nach Bulgarien liegen Zuschnitt, Nähen, Zusammensetzen und Verpacken von Sportschuhen und Trikots in ihren Händen.
Viele Beschäftigte arbeiten 60 Stunden in der Woche zu Niedriglöhnen und unter schwersten Bedingungen, oft ohne grundlegende Arbeitsrechte. Ihr Recht, sich gewerkschaftlich zu organisieren und Tarifverhandlungen zu führen, wird systematisch verletzt.

Alle bekannten Sportmarken produzieren in den sogenannten Freihandels- und Sonderwirtschaftszonen der Entwicklungs- und Schwellenländer. So müssen sich z.B. Arbeiterinnen in der Adidas-Fabrik Chi-Fung in El Salvador vor der Einstellung einem Schwangerschaftstest unterziehen. Fällt derselbe positiv aus, wird ihnen die Anstellung verweigert. In jedem Fall müssen sie allerdings die Kosten für den Test selber tragen. Der Monatslohn von 165 Euro reicht nicht aus, um den Grundbedarf einer Familie zu decken. Die Fabrikhallen und Toiletten werden von Kameras überwacht, und das Wasser, das die ArbeiterInnen während ihrer Tätigkeit trinken können, überschreitet die zulässige Bakterienbelastung um das 650-fache.

Nur aufgrund des öffentlichen Interesses können sich die großen Sportmarken nicht mehr hinter der Behauptung verstecken, sie seien für ausbeuterische Arbeitsbedingungen in ihren Zuliefererketten nicht verantwortlich. Als Mittler zwischen den VerbraucherInnen in reichen und den Beschäftigten in armen Ländern sind die Sportbekleidungsfirmen Verantwortliche. Auch wenn Unternehmen wie Adidas mittlerweile eingestehen, dass „die Arbeitsbedingungen nicht immer (ihren eigenen, Red.) Standards entsprechen“, Einfluss auf ihre Zuliefererbetriebe nehmen sie dennoch nur verbal. Denn letztlich geht es ihnen um geringe Einkaufspreise. Und so stand bereits im Adidas-Jahresbericht 1996: „Die Zulieferung ist das Herz unseres Geschäftes und ein wesentlicher Faktor bei der Kostenreduzierung.“ Dass die Löhne der Arbeiter nur ca. 0,3 Prozent des Endpreises ausmachen, wurde dabei nicht erwähnt. Würden Unternehmen wie Adidas ihre Marketingausgaben jedoch um nur ein Prozent reduzieren, könnten die Löhne der NäherInnen weltweit verdoppelt werden. Die Markenrechte haben auch bei Adidas noch immer Vorrang vor den Rechten der Beschäftigen.

 

Der Ball:

Die Bälle der Fußball-WM 2006 tragen das Logo von Adidas, einem der zehn offiziellen Sponsoring-Partner der FIFA. Sie werden in Sialkot, der unumstrittenen „Welthauptstadt“ der Fußballproduktion, in mühsamer Handarbeit genäht. In der pakistanischen Stadt werden alljährlich 20 Millionen Bälle und damit etwa drei Viertel der gesamten Weltproduktion hergestellt. Von den ca. 5.000 Kindern in Sialkot sind schätzungsweise zwei Drittel an der Herstellung von Fußbällen beteiligt. Die Beschäftigten verdienen umgerechnet 70 Cent pro Ball. Das macht bei durchschnittlich vier Bällen am Tag knapp drei Euro, wenn ihnen das Geld denn tatsächlich ausgezahlt wird. Und auch Kinderarbeit ist in Sialkot noch immer trauriger Alltag.

 

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