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NaturFreunde Berlin
 
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Macht euch frei

Lebensreformer, Nudisten und Eugenik

Als antimoderner Reflex hatte die Lebensreform-Idee bei großen Teilen der Jugendbewegung und den Naturfreuden Spuren hinterlassen: Naturromantik, Zivilisationskritik und Körperhygiene. Abstinenz, Vegetarismus, FKK, Sonnenwendfeiern, Volkstanz aber auch gesunde Ernährung und Kleidung standen im Mittelpunkt des Interesses. Diese Ideen prägten das Menschenbild und boten mit ihren zum Teil biologistischen oder esoterischen Vorstellungen auch Anknüpfungspunkte für rechte Mythologie und Ideologie.
Das Nacktbaden genoss bei Naturfreunden hohe Popularität. In den frühen 1930er Jahren wurde das Klima in der Republik jedoch zunehmend konservativer. So belegte die preußische Badepolizeiordnung vom 18. August 1932 das „öffentliche Nacktbaden oder Baden in anstößiger Kleidung“ mit einer Geldstrafe, kurz darauf wurden mit dem sogenannten “Zwickelerlass“ die Standards für eine züchtige Badebekleidung genau festgelegt.

Aber auch die sozialhygienischen Themen gerieten mehr und mehr in den Mittelpunkt der Lebensreformer. Viele plädierten für regulierende Eingriffe in den Fortpflanzungsprozess der Menschen, um angeblich „krankes Leben“ zu verhindern. Der Plan, „Alkohol- und Erbkranke“ in Asyle zu stecken und ihre Fortpflanzung durch Sterilisation zu verhindern, kursierte keineswegs allein bei rechten Eugenikern. Die Nationalsozialisten setzen diese Vorstellungen mit der grausamen Ermordung tausender „Behinderter“ und „Asozialer“ in der Aktion T4 um.