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NaturFreunde Berlin
 
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„Einfach nur Mensch bleiben“

Zwischen Verweigerung und Widerstand

Bereits in den ersten Wochen der NS-Herrschaft wurden Naturfreundehäuser durch Polizei und SA besetzt und beschlagnahmt. Es gab jedoch keinen originären Naturfreunde-Widerstand. Einzelne Naturfreundinnen und Naturfreunde betätigten sich im Rahmen kommunistischer, linkssozialistischer und sozialdemokratischer Widerstandsgruppen. Andere organisierten „wilde“ Fahrten ohne Marschmusik und Uniformen. In einer ehemaligen Kiesgrube am Heidesee fanden zum Beispiel bis 1942 „wilde“ Zeltlager ehemaliger Naturfreunde mit bis zu 120 Zelten statt.


Erich Cohn:
Der Pazifist und Sozialdemokrat trat 1919 vom „Jung-Jüdischen Wanderbund“ zum Touristenverein „Die Naturfreunde“ über. Engagiert in der Antikriegsbewegung wurde er 1928 Vorsitzender der SPD Ortsgruppe Sachsenhausen. Kurz nach dem Machtwechsel wurde Cohn verhaftet und in das KZ Oranienburg verschleppt. Kontakte zur sozialdemokratischen Widerstandsgruppe Otto Scharfschwerdts führten zu einer Kette von Haftstrafen und KZ-Aufenthalten. Nach seiner Ausweisung aus Deutschland im August 1939 ging Cohn nach England, trat der britischen Armee bei und kämpfte gegen die deutschen Streitkräfte. Zum Schutz bei der Gefangennahme änderte er seinen Namen in Eric Collins.


Charlotte Eisenblätter:
Als Mitglied der SAJ, trat Charlotte Eisenblätter nach ihrem Ausschluss aus den Naturfreunden 1924 dem ASV Fichte bei und baute dort die Naturfreunde-Wandersparte auf. Nach ´33 hielt sie weiter Kontakt zu den Arbeitersportlern, hörte Feindsender und las verbotene Literatur. Mit der kommunistischen Widerstandsgruppe um Beppo Römer und Robert Uhrig fertigte sie Schreibarbeiten für die illegale Flugschriftreihe „Informationsdienst“ und schrieb mit Werner Seelenbinder Flugblätter, die als Feldpost getarnt an Soldaten der Ostfront geschickt wurden. 1942 wurde sie von der Gestapo verhaftet. Im Juli 1944 verurteilte der Volksgerichtshof Eisenblätter und andere Mitglieder der Widerstandsgruppe wegen „Hochverrat“ und „Feindbegünstigung“ zum Tode. Das Urteil wurde am 25. August 1944 in Berlin-Plötzensee durch das Fallbeil vollstreckt.


Rudi Pietschker:
Schon früh engagierte sich Pietschker in Gewerkschaft, SAJ, Naturfreundejugend und Jungbanner. Gemeinsam mit Genossen aus der SAJ leistete er Kurierdienste für die SPD Exilleitung. Außerdem produzierte die Gruppe Flugblätter, die vor der Aufrüstung der Nazis warnten. Um die Weiterarbeit zu tarnen, schloss sich die kleine Gruppe erst den bürgerlichen „Märkischen Wanderern“ und später den Abstinenzlern, den „Guttemplern“, an. Bis 1937 konnten sich hier Nazigegner austauschen und gemeinsam diskutieren. Auf ihren „Nordlandfahrten“ hielten sie Kontakt zu Sozialdemokraten im Exil und halfen jüdischen Mitgliedern zur Flucht. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Pietschker zur Wehrmacht einberufen. Er überlebte und war nach 1945 maßgeblich am Aufbau der Naturfreundejugend und der antifaschistischen Jugendarbeit in Berlin beteiligt. Von 1975 bis 1982 war er Bezirksbürgermeister in Berlin-Kreuzberg.


Erich Nowack:
Erich Nowack wurde 1919 zunächst Mitglied des AWB und später des Touristenvereins „Die Naturfreunde“. Hier leitete er ab 1924 die Fotogruppe. Mit dem 1934 gegründeten Verein „Natur und Kamera“ bemühte sich Erich Nowack, eine illegale Naturfreundegruppe weiter zu führen, dem sich auch Mitglieder der SAJ und der SPD anschlossen. 1936 erfolgte jedoch das Verbot wegen marxistischer Umtriebe. Viele Mitglieder schlossen sich nach dem Verbot der „Reisegesellschaft Faltbootfahrer“ an. Als „Zusammenballung ehemaliger Marxisten“ wurde auch dieser Verein im Juni 1937 aufgelöst. Dennoch gelang es auch weiterhin einem Teil der Berliner Naturfreunde gemeinsam ihre Freizeit u verbringen.