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NaturFreunde Berlin
 
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„Dieses Hotel ist judenfrei“

Antisemitismus und Tourismus

Bereits um die Jahrhundertwende deklarierten sich Seebäder, Kurorte und Sommerfrischen oft als „judenfrei“. Juden mussten mit Beleidigungen und tätlichen Übergriffen rechnen. In den frühen 20er Jahren verschärfte sich das gesellschaftliche Klima spürbar. Der Antisemitismus trat immer offener auch im Alltagsleben zu Tage und erste Übergriffe durch Nazis auch auf Naturfreundehäuser wurden verzeichnet. Jüdische Organisationen veröffentlichten Listen mit jenen Hotels, in denen ihre Mitglieder noch ungestört ihren Urlaub verbringen konnten.

Nach dem Ersten Weltkrieg offenbarten sich im Deutsch-Österreichischen Alpenverein (DÖAV) rabiater Antisemitismus und völkische Ideologie. Bis 1924 hatten 98 von 110 Sektionen im Alpenverein einen Arierparagraphen in ihre Satzung aufgenommen (u.a. die Sektion Mark Brandenburg). Die demokratischen und liberalen Kletterer und Bergsteiger sammelten sich in der oppositionellen Sektion „Donauland“, die sozialistischen bei den Naturfreunden. An zahlreichen Berghütten des Alpenvereins hingen bereits in der Weimarer Republik Schilder mit der Aufschrift: „Juden und Mitglieder der Sektion Donauland unerwünscht“. In der Weltbühne riet Kurt Tucholsky schon 1921: „Berliner, die auch noch israelitisch sind, Fremde, die eine Erholungsreise und keinen Guerillakrieg unternehmen wollen“ sollten Bayern meiden, von dessen Besuch „nicht genug abgeraten werden“ kann.